I. Orientierung der Bienen

 und das Auffinden ihrer Tracht

a) Facettenaugen

Facettenaugen sind dadurch charakterisiert, dass sie aus zahlreichen länglich-keilförmigen Einzelaugen bestehen. Durch diese Form der Ommatidien  wirkt das ganze Auge eher schalenförmig, so dass je nach Augengröße ein pixelförmiges gebogenes Abbild entsteht. Es wird immer wieder behauptet, dass die Insekten das Bild auch nur so verpixelt wahrnehmen. Ich glaube eher, dass die Einzelbilder im Gehirn zu einem Gesamtbild verschmelzen. Die Augen sind starr mit dem Kopf verbunden. Um ein anderes Gesichtsfeld zu erhalten, muss die Biene den Kopf oder den ganzen Körper entsprechend drehen.

Die starr sitzenden Komplexaugen können konstruktiv betrachtet den Winkel zur Sonne präzise einhalten, da nur wenige dicht beieinander liegende Ommatidien das Sonnenlicht einfangen. Da auch der Schweresinn hervorragend ausgebildet ist, fallen hier 2 präzise wirkende Sinnesleistungen zusammen, so dass sie sehr gut miteinander kommunizieren können.

b) Ocellen

Die Biene hat oberhalb ihrer Komplexaugen auf der Stirn drei punktförmige Organe, die wohl nur für die Wahrnehmung von Licht zuständig sind. Mit ihnen könnten die Bienen die einsetzende Nacht , ev. auch die Zu- bzw. Abnahme der Tageszeitdauer im Laufe des Jahres erkennen, um so ihr komplexes Verhalten entsprechend anpassen zu können. Eine gewisse Zeitmessung könnte mit ihrer Hilfe auch gegeben sein.

c) Erlernen der Landschaft

Beim ersten Ausflug umkreist die Biene zunächst ihren Stock und prägt sich die Umgebung, zumindest für sie wichtige markante Objekte ein, zu denen auch das Flugloch gehört. Bei späteren Flügen dehnt sie die Entfernung stärker aus und merkt sich weitere landschaftliche Merkmale.

Beim ersten Sammelflug, geworben eventuell durch eine Schwänzeltänzerin, fliegt sie mehr oder weniger genau auf das Trachtgebiet zu und später wieder zurück. Dabei lernt sie die Merkmale dieses Korridors und prägnante Silhuetten, die ihr den Weg zurück zeigen. Diese "Landkarte" behält sie über einen längeren Zeitraum im Gedächtnis. Imker, die Ihre Bienenvölker umstellen wollen, müssen dies berücksichtigen. Entweder stellen sie die Völker in kleinen Schritten nur so weit um, dass die heimkehrenden Sammlerinnen ihren Stock wiederfinden können, oder sie stellen sie in einer Mindestentfernung von 6 Km auf. Ist sie geringer, wird ein gewisser Teil der Flugbienen beim Sammeln wieder in bekanntes Gebiet kommen und dann wieder ihren alten Standort aufsuchen. Je geringer die Distanz ist, desto mehr Trachtbienen sind verloren, wobei aber nicht die unmittelbare Stocknähe gemeint ist. Beachte aber den Einfluss von Landmarken. Nach der langen Winterpause müssen sie sich alles neu einprägen.

Ziehen sie mit einem Schwarm in eine neue Behausung, verdrängen sie dieses bisherige Wissen und erlernen die Umgebung neu.

d) Den Lauf der Sonne erlernen

Der Verlauf der Sonne spielt für die Orientierung der Bienen eine große Rolle. Für Betrachter unserer nördlichen Breite führt der Verlauf der Sonne bogenförmig von links nach rechts, jenseits des Äquators meist, jenseits des südlichen Wendekreises immer genau entgegengesetzt.

Bienen, die über den Breitenkreis, über dem die Sonne senkrecht steht, hinaus versetzt werden, erlernen diesen Verlauf der Sonne und können ihn entsprechend einkalkulieren.

e)  Magnetischer Sinn

Dass etliche Tiere winzige auf magnetische Kräfte reagierende Teilchen (Magnetide) im Körper eingebaut haben, gilt wohl als gesicherte Erkenntnis.  So müssten sie in der Lage sein, sich an Hand des Erdmagnetfeldes zu orientieren. Dieses voraussetzend wird in einem Versuch der Einfluss magnetischer Strahlung auf die in letzter Zeit immer häufiger zu beobachtende Ausrottung ganzer Bienenvölker durchgeführt.

Der  Magnetsinn ist neben vielen anderen Tieren auch bei der Honigbiene nachgewiesen. Im vorderen Teil des Hinterleibs sollen sich Magnetitkristalle (früher Magneteisenstein) angeordnet haben, die es den Tieren erlauben, sich am Magnetfeld der Erde innerhalb und außerhalb des Stocks zu orientieren.

f) Farbe erkennen

Bienen sind blütenstet. Das heißt, sie befliegen möglichst nur eine Blütenart. Produziert diese jedoch nur zu bestimmten Tageszeiten Nektar, kann die Biene noch weitere andere Trachtquelle aufsuchen. Um diese Blütenstetigkeit erreichen zu können, orientieren sich Bienen im Zielgebiet zunächst nach der schon von Weitem zu erkennende Farbe der Blüte, die sie sich einprägen konnte.

Experimentell hat man (Karl von Frisch) nachgewiesen, dass Bienen tatsächlich Farben wahrnehmen können. Dem Menschen gegenüber erkennt sie ein anderes Farbspektrum: Rot nimmt sie nur als Grau wahr, dafür kann sie ultraviolett als eigenen Farbton identifizieren.

Experiment
Experiment

g) Muster erkennen

Die Pflanzen haben für ihre Blüten eine Unzahl unterschiedlichster Formen und Muster entwickelt. Weitere, für den Menschen nicht sichtbare Muster werden z.B. durch ultraviolette Saftmale gezeichnet. Zusammen mit den Farben der Blüten bieten sie schon jetzt ein fast unverwechselbares Ziel für die Bienen, die tatsächlich viele Muster, speziell die von nektarspendenden Blüten geformten, erkennen können. Diese Muster, besonders die Saftmale, ermöglichen es der Biene im Nahbereich, ganz zielgerichtet den Nektar zu finden. Wenig gegliederte Muster wie Rechteck, Mehreck, Kreis usw. können Bienen zwar erkennen, nicht oder nur schlecht jedoch voneinander unterscheiden.

Experiment
Experiment

h) Duft

Da trotz der Vielfalt unterschiedlicher Farben und Muster dennoch Ähnlichkeiten auftreten können, gibt der Duft eine weitere zuverlässige Möglichkeit zur Orientierung. Für neu angeworbene Bienen gibt die mit dem Wind treibende Duftfahne den Weg zur Trachtquelle an. Durch die relativ weit auseinander liegenden Rezeptoren auf den Fühlern kann dies Insekt sehr schnell die Richtung analysieren.

Oft kann man Bienen beobachten, die eine Blüte ansteuern, kurz vorher aber abdrehen und die benachbarte Blüte aufsuchen. Dann ist es sehr wahrscheinlich, dass sie anhand des Duftes erkannt hat, dass dort keine Beute zu machen ist, weil ggf. bereits kurz vorher dort der Nektar und die Pollen gewonnen wurden.

Wenn Bienen ihren Stockgenossinnen einen Weg weisen möchten, z.B. wenn das Flugloch durch mechanische Einwirkung versetzt wurde, dann kann man beobachten, dass sie ihre Hinterleiber vom Ziel weg schräg nach oben strecken und eine Duftdrüse (Nassanoffsche Drüse) nach außen stülpen. Durch Flügelschlagen erzeugen sie so eine Duftfahne. Diesen Vorgang nennen wir sterzeln.

Erst recht im stockdunklen Stock erfolgt die Hauptorientierung durch den Geruchssinn.

Bei der Verteidigung setzen die Bienen durchaus ihren Stachel ein und hinterlassen beim vermeintlichen Agressor nicht nur das Gift, sondern auch Düfte aus den Drüsen der Stachelrinne und aus der Mandibeldrüse. Dies zeigt weiteren verteidigenden Bienen an, in welchem Bereich sie ihren eigenen Stachel unterbringen können.

Experiment dazu

 

 Wikipedia möchte auch etwas dazu sagen.

 

Experiment dazu
Experiment dazu

i) Geschmackssinn 

Eine Tracht mit ausreichendem Zuckergehalt erkennen die Bienen über ihren Geschmackssinn. Zu dünne Lösungen benötigten zu viel Energieeinsatz und Arbeitszeit. Neben den Chemorezeptoren im Zungenbereich gibt es auch bei der Biene wie bei etlichen anderen Insekten auch, Sinnesborsten an den Füßen, so dass sie angeblich auch mit diesen Zuckerlösungen erschmecken können.

j) Schweresinn

Sinnesborstenfelder zwischen den Körpersegmenten und den Gelenkstellen der Fühler werden gereizt, wodurch das Nervensystem der Biene die Lage im Raum vermittelt. Ergänzt wird er durch Magnet- und Lichtsinn (Ocellen).

k) Tastsinn

Er spielt im Stockinneren eine der wichtigsten Rollen. Wie genau er ausgeprägt ist, kann man beim Bau der sechseckigen Zellen erahnen. Mit ihm kann die Biene die Form und Größe millimetergenau ermitteln, ebenso die Dicke der Wachsschicht, die Tanzrichtung einer Schwänzelstrecke analysieren, Fremdkörper erkennen usw.

l) Temperatursinn

Eigentlich gehören die Bienen zu den wechselwarmen Tieren, deren Körpertemperatur nur leicht höher ist als die Umgebungstemperatur. Trotzdem sind sie in der Lage, als Gemeinschaft z. B. im Bienenstock beim Brutnest, die Temperatur recht konstant auf etwa 35 Grad C. zu halten, was der menschlichen Körpertemperatur recht nahe kommt. Wird es zu kalt, sorgen einige Heizerbienen für die Erwärmung ihrer Umgebung durch "Zittern" ihrer Flügelmuskulatur, wobei aber die Flügel abgekoppelt werden, so dass diese sich nicht bewegen. Wird es dagegen zu heiss, verbreiten die Bienen Wasser im Stock, erzeugen durch Flügelschlag einen Luftstrom Richtung Ausgang. So wird Verdunstungskälte erzeugt und gleichzeitig für Frischluft gesorgt.

Im Winter bilden sie eine "Traube", wobei die außen hängenden Tiere wie Isolatoren wirken. Drohen sie zu verklammen, dringen sie weiter ins Zentrum der Traube, das wiederum bis zu 35 Grad Celsius aufweisen kann.

Hier gibt es neuere  Untersuchungen, denen zu Folge sich die gesamte innere Traube pulsierend aufwärmt und dann langsam bis zur Verklammung wieder abkühlt. Dr. Liebig dagegen meint, dass im Traubeninneren im Brutnestbereich konstant 35 bis 36 Grad Celsius herrschen. Nur am Rande der Wintertraube würden sich einige Bienen aufheizen, um Winterfutter aufnehmen zu können und ins Traubeninnere tragen zu können.

Bei weiteren Erkenntnissen werde ich hier weiter berichten.

Zeitsinn

Um den Lauf der Sonne richtig in ihren Orientierungssinn integrieren zu können oder effektiv periodisch auftretende Trachtquellen nutzen zu können, verfügen Bienen auch über einen guten Zeitsinn. Dann fliegen sie nur dann das Trachtgebiet an, wenn es dort auch etwas zu ernten gibt. So sparen sie Energie und setzen sich nicht unnötigen Gefahren aus.

Experiment dazu

Bienenschwarm
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