Die Sechseckform der Zelle

Bau der Zellen

Übergangsformen der Zellen eine Bienenwabe
Naturwabenbau

Wie im Artikel "Bienennest Aufbau" erläutert wurde, fangen die Bienen gleichzeitig an mehreren Stellen des Oberträgers an, ihre Wabe zu bauen. Es entstehen dann zungenartige Teilwaben, die später zu einer ganzen Wabe zusammenwachsen. Zwischen diesen zungenartigen Wabenflächen passt der Abstand angrenzender Zellen oft nicht. Hier entstehen alle möglichen Zwischenformen, ebenso wie die Zellen am Wabenrand. Die neuerdings gern proklamierte Behauptung, die  Sechseckform der Zellen käme allein durch den Wärmeeinfluss zustande, greift nicht, da hier die Zellformen eine mögliche thermische Anpassung zueinander ab und zu vermissen lassen, obwohl hier mit den gleichen Wärmegraden gearbeitet wird. Wäre also die Wärme allein verantwortlich für die Formgebung, müsste dies an dieser Stelle genau so gegeben sein.

Ein weiteres Problem sehe ich in der Schwerkraft: Beim Ineinanderfließen der Zellwände müsste sich die Schwerkraft auf die Zellform dergestalt auswirken, dass eine geringfügige Ausrichtung zum Erdmittelpunkt hin gegeben sein. Damit

die Sprungtemperatur von ca 40 Grad erreicht werden kann, muss eine sogenannte Heizerbiene in der Zelle durch Muskelwärme die Umgebungsluft aufwärmen. Aber auch diese Biene übt ein Gewicht aus, das die Wände nach unten drücken würden.

Bei einem meiner Experimente habe ich Drahtgewebe als Mittelwand genommen. Hier haben die Bienen die mittlere Wand weiter ausgezogen als beim Naturwabenbau. Die darauf errichteten Zellwände zeigten bereits im Ansatz ihre spätere Sechseckform, als der Faktor Wärme für die Formgebung noch gar keine Rolle spielen konnte.

Symmetrische sechseckige Form an Stoffübergängen
Sechseckform am Holzübergang

Besteht der Oberträger aus einer Dreikantleiste, deren Spitze nach unten weist, beginnen die Bienen dort mit ihrem Wabenbau. Schon bei der Anlage der Zellen, die von der Spitze aus nach oben gebaut werden, nehmen die Zellen die Sechseckform an (1), die mit anwachsender Höhe eine ausgeprägtere, gleichmäßige Form erhalten. Da die Höhe der Zellwandungen mit zunehmender Dicke des Oberträgers stetig abnimmt, kann letztlich eine automatische Formgebung durch Wärme keine Rolle mehr spielen. Die Anheftung des Wachses ans Holz und damit die endgültige Formgebung der Zelle erfolgt ausschließlich durch die Biene.

Im Bild sieht man deutlich die Entstehung der Zellform.

Zellformen anderer Hautflügler

 hexagonale Form der Wände einer Wabe eines Hautflüglers
Formen bei "Papierwaben"

Betrachten wir einfach mal andere sozial lebende Hautflügler; denn heutige Verhaltensmuster sind oft bereits bei den gemeinsamen Vorfahren angelegt und so an die Nachkommen weitergegeben worden.

1. die Wespen:

Wabe einer gemeinen Wespe
Papierwabe einer Wespe

Auch bei ihnen finden wir eine perfekte Sechseckstruktur ihrer Waben. Pech nur, dass sie eine Art Papier produzieren. Sie können demzufolge nicht auf die "formgebende" Wirkung der Wärme zurückgreifen. Es mag sein, dass auch sie beginnen, runde Waben zu formen, wie an den Außenwänden des vorherigen Bildes zu sehen ist. Aber gleichzeitig werden die Nachbarwaben gebildet. Beim Papierbrei fließt nichts zusammen. Aber beim Bestreben, die Wandungen der Zellen gleichmäßig dick (dünn wäre hier eigentlich der genauere Begriff) zu halten, kommen die bauenden Wespen zu derart gleichmäßigen Sechsecken. Dort, wo sich die Wandungen der Zylinder berühren, sind beide zusammen recht dünn. Aber jetzt entfernen sie sich wieder. Durch gleichzeitiges Bearbeiten der Wandung zweier Nachbarzellen mit ihren zangenartig angeordneten Mundwerkzeugen (Mandibeln) werden sie wieder gleichmäßig einander angenähert und miteinander vermischt, bis eben die Wabenform entsteht. Betrachtet man Bilder von Zellen der "Papierwespen", so fällt auf, dass alle Zellen, umgeben von anderen Zellen, sechseckig sind. Am Rand bilden sie zu den angrenzenden Zellen den Beginn eines Sechsecks, nach außen jedoch eine Kreisform. Dies ist bei den Bienenwaben gleichermaßen. Dies werte ich als Beweis, dass das Sechseck letztlich aktiv durch Bearbeitung der anwachsenden Zellwandung entsteht, auch unter geschickter Ausnutzung der Materialeigenschaften des Bienenwachses. 

2. Hummeln

Hier entstehen bei den mir bekannten Arten tatsächlich eher rundliche Brutzellen und "Honigtöpfe", was die "Schmelztheorie" stärken könnte. Die dichter aneinander liegenden Brutzellen nehmen dabei zum Teil eine sechseckige Form an, wobei die außen liegenden den Abschluss mit einer abgerundeten äußeren Wand bilden. Auch hier wird mit einem Minimum an Material ein Optimum an Speicherfähigkeit und Festigkeit erreicht. Eine angrenzende Wandung existiert nicht, so dass sie auch nicht miteinander formgebend bearbeitet werden können.

Als Schlussfolgerung bleibt bei mir die starke Vermutung, ja sogar die Gewissheit bestehen, dass die Steigerung der Fließeigenschaften bei zunehmender Erwärmung eine Hilfe für die Honigbienen bei der aktiven Bearbeitung des Bienenwachses darstellt und dass hier auf gar keinen Fall eine automatisch ablaufende Thermoreaktion stattfindet.

 

Versuch einer Erklärung

 

Ich werde  diesen Bereich später gründlich überarbeiten.

Interpretationsversuch
nächste Seite