Was der Mensch von den Bienen gewinnt

Denkt man an Bienen, wird man wohl schnell Honig damit verbinden. Aber das reicht bei Weitem nicht aus. Der Imker wird schon ein gutes Volk daran festmachen, ob er im Jahr 30 Kg oder deutlich mehr Honig ernten kann. Aber die anderen Produkte bzw. Leistungen der Bienen dürfen nicht unbeachtet bleiben. Nicht umsonst wird die Biene hinter Rind und Schwein als das 3. wichtigste Nutztier des Menschen gehalten. Dabei glaube ich, dass sich diese Rangskala zu Gunsten dieses Insekts verschieben wird, wenn dessen Nutzen für die Medizin besser erkannt und überhaupt erst einmal mit eingerechnet wird. Und ob die enorm wichtige Bedeutung der Bestäubung der Blütenpflanzen durch die Honigbiene richtig eingestuft wird, wage ich zu bezweifeln.

Auch wenn Albert Einstein folgenden Satz so oder so ähnlich nicht gesagt haben soll, "Erst stirbt die Biene, dann der Mensch", ist doch sehr viel Wahres dran. Wie hoch stuft man die Bedeutung dafür ein, dass der Mensch nicht stirbt? 

I. Erkenntnisse und Wissen

So lange der Mensch bestrebt war, an den Honig wild lebender Honigbienen zu gelangen, versuchte er, die Geheimnisse des Bienenvolks zu ergründen. Da sie noch nicht die Möglichkeit hatten, das Treiben der Bienen in ihren Höhlen direkt zu beobachten, wurden diese Insekten mit viel Mystik bedacht. Selbst zu Beginn der Forschungsarbeiten Karl von Frischs glaubte man beispielsweise noch, der Schwänzeltanz wäre ein Ausdruck von Freude.

Heutzutage erforschen in zahlreichen Ländern, ja sogar in einzelnen Regionen, Bieneninstitute und Universitäten mit immer raffinierteren Geräten und Methoden das Leben der Bienen. Immer noch werden Geheimnisse offenbar, und das wird wohl noch lange so bleiben.

II. Bienenprodukte

1. Honig

Bienen sammeln Nektar und Honigtau mit einem noch recht hohen Anteil an Wasser. Aber bereits im Fluge sorgen sie dafür, dass das Wasser verdunstet wird. Im Stock überreichen die Sammlerinnen diesen Nektar bzw. Honigtau an Arbeiterinnen weiter, die ihm weiterhin Wasser entziehen und ihm gleichzeitig bieneneigene Stoffe zusetzen. Ist der Honig reif, wird die Zelle mit einer dünnen Wachsschicht verdeckelt.

Wenn der Honig überwiegend von einer Blüten-, Trachtart stammt, kann der Imker diesen als Sortenhonig deklarieren.

2. Bienenwachs

Es wurde bereits im Mittelalter gern zur  Herstellung von Kerzen und Fackeln verwendet, weshalb manche Klöster sich intensiv  mit der Bienenhaltung beschäftigt hatten. Auch heute noch wird es gern als "Mercedes" unter den Kerzenwachsen bezeichnet. Selbst als Zahnfüllung wurde es gelegentlich bei archäologischen Grabungen gefunden.

Ein Teil des Bienenwachses wird zu Mittelwänden umgearbeitet und den Bienen erneut zur Verfügung gestellt.

Auch die Pharma- und Kosmetikindustrie greift gern auf dieses Rohmaterial zurück und selbst in Lebensmitteln finden wir es wieder (z.B als hauchdünnen Überzug bei Gummibärchen).

Die Schätzungen, wie viel Honig die Bienen zur Produktion von einem Kg Wachs benötigt wird, liegen zwischen 4 und 10 Kilogramm.

Gewinnung und Weiterverarbeitung von Wachs

3. Pollen

Auch er dient den Bienen als wichtiges Nahrungsmittel. Der Mensch nutzt den Pollen wegen seines z.T. hohen Gehalts an Eiweißen, Mineralien und Vitaminen als Ergänzungsstoff zur Nahrung.

4. Bienenbrot

Die Bienen lagern  den gesammelten Pollen wie den Honig in den Zellen der Waben. Hier wird er mit etwas Honig vernetzt. Durch eine einsetzende Fermentierung entsteht dieses Produkt. Seine Gewinnung gestaltet sich als umständlich.

5. Gelee Royal

Der Stoff, durch den Königinnen entstehen.

in den ersten 3 Tagen werden alle Bienenlarven mit Gelee Royale (GR) gefüttert. Danach erhalten alle zukünftigen Arbeiterinnen und Drohnen ein Gemisch aus GR, Honig und Pollen. Nur die zukünftigen Königinnen werden auch weiterhin ausschließlich mit GR gefüttert.

Auch dieses Produkt wird mit viel Mystik bedacht. Gerade das enorme Wachstum der mit GR gefütterten Larven hat dies gefördert. Der Schriftsteller Roald Dahl z.B. hat in einer seiner makabren Kurzgeschichten auch dieses Phänomen zum Inhalt gemacht.

GR sieht aus wie Naturjoghurt, schmeckt auch säuerlich aber unangenehm. Mit Honig vermengt ist es gut zu genießen. Da es nur in geringen zu gewinnenden Mengen vorkommt, ist es nur umständlich zu ernten und dementsprechend teuer.

6. Propolis

Das (Die wäre auch zulässig) Propolis dient den Bienen wegen ihrer klebrigen Konsistenz als Kittstoff. Da es aber auch effektive keimtötende Wirkung entfaltet, tragen es die Bienen auch z.T. flächig in ihrer Beute auf. Wegen dieser Eigenschaft wird es auch gerne vom Menschen zur Bekämpfung von Erkrankungen durch Bakterien, Viren oder Pilzen verwendet. Da dieser Stoff immer unterschiedlich wirkende Substanzen enthält, darf er auch nicht als Medizin deklariert und beworben werden. Als Kosmetikartikel darf er jedoch gehandelt werden. Das Propolis ist etwas wasserlöslich. Hochprozentiger Alkohol wirkt hier deutlich besser. Den Geschmack dieser Lösung finde ich abscheulich, in Honig eingerührt dagegen erinnert er an schnapshaltige Pralinen.

7. Bienengift

Früher ließ man die Bienen über eine elastische Membran laufen und drückte sie darauf. Die Bienen durchstachen die Membran. Wegen der Widerhaken an den Stacheln blieben diese stecken. Beim Versuch der Bienen, sich zu befreien, rissen sie sich den gesamten Stachelapparat aus ihrem Körper und mussten deshalb kurz darauf sterben. Die Giftblase pumpte dagegen weiterhin, so dass ihr gesamter Inhalt in einer Schale aufgefangen wurde. Heutzutage werden die Bienen geringen Stromstößen ausgesetzt, was einen Stechreiz auslöst. Diese Methode lässt die Tiere überleben.

Das Bienengift wird in der Medizin z.B. gegen rheumatische Beschwerden, aber auch eine Vielzahl anderer Erkrankungen eingesetzt.

Manche rheumageplagten Patienten lassen in der Nähe eines Bienenstandes einen Tropfen Honig auf die quälende Stelle fallen. Sobald sich 3 bis 5 Bienen um den Honigtropfen herum angesammelt haben, werden sie mit einem weichen Tuch vorsichtig auf die Haut gedrückt. Die Stiche folgen umgehend. Aber Vorsicht!!!: Diese Methode kann einen lebensbedrohenden Schock (anaphylaktischer Schock) auslösen.

III. Indirekte Bienenprodukte 

1. Met

Manchmal geht es doch schief im Bienenvolk. Ist die Witterung zu ungünstig und der eingelagerte Honig noch zu wasserhaltig, kann der Honig in Gärung übergehen. Dieser "Met" kann eigentlich nur noch zum Backen verwendet werden. Als Met genossen wäre er entweder zu süß oder er würde sehr fade schmecken. Wie man dennoch diesen oder anderen Honig zu einem wohlschmeckenden Getränk veredeln kann, können Sie in unserem Imkerverein innerhalb der dort angebotenen Kurse erfahren.

2. Bienenlarven

Sie sind reich an Eiweiß, enthalten auch Fett, Kohlenhydrate, Mineralien und Vitamine und sind deshalb bei Feinden sehr begehrt. Aber auch in manchen menschlichen Kulturkreisen gelten sie als Nahrung und sogar als Leckerbissen. Auch in Deutschland gibt es bereits Menschen, die diese Nahrung gern zu sich nehmen und im Fernsehen kann man immer mehr Sendungen verfolgen, die die Zubereitung von Insekten als zukunftsweisend proklamieren. Bei etlichen Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Fischen und anderen Insekten sind die Larven heiß begehrt. Die kurz vor dem Schlupf stehenden Larven sind auch als Köder sehr gut geeignet. Bei den in Anglerkreisen dagegen als Köder genutzten Bienenmaden handelt es sich jedoch in Wirklichkeit um die Maden der großen Bienenwachsmotte.

3. Stockluft

Das Einatmen der Luft aus dem Bienenstock soll eine heilsame Wirkung auf die Atmungsorgane haben und beruhigend wirken.

Dieses Jahr werde ich es einmal testen.

IV. Nutzen durch die Bienen

1. Bestäubung

Weitaus mehr noch als die Gewinnung von Honig, Pollen, Bienenwachs und Propolis ist der Nutzen in der Bestäubung der meisten Blütenpflanzen zu sehen. Auf Grund ihrer Blütenstetigkeit fliegt die Biene z. B. von einer Apfelblüte zur nächsten. Sie kommt dabei mit dem Pollen in Berührung, der an ihren Haaren haften bleibt. Von dort gelangen einige wenige dieser Keimzellen an die Narbe eines weiblichen Geschlechtsorgans. Die Bestäubung ist erfolgreich abgeschlossen. Werden alle Narben einer Blüte bestäubt, kann sich nun ein prächtiger Apfel entwickeln. Erhalten jedoch ein oder mehrere Narben einer Blüte keine männlichen Keimzellen, werden die Äpfel kleiner, erhalten eine krumme Form und entwickeln unter Umständen nicht das ganze Aroma. Der Ernteertrag sinkt deutlich! Zwei Äpfel im Vergleich

In bienenfreien Gebieten gibt es aber eine hervorragende Alternative: Arbeiter, mit einem feinen Haarpinsel bewaffnet, steigen in die Bäume und befruchten die Blüten per Hand - in China manchmal zu beobachten. 

Selbst beim Raps, der zur Selbstbefruchtung befähigt ist, steigt der Ernteertrag durch den Beflug von zahlreichen Honigbienen deutlich. Erachteten Rapsanbauer es früher als große Gefälligkeit, dass ein Imker seine Bienen an ein Rapsfeld stellen durfte, und nicht selten forderten sie als Gegenleistung Honig dafür, kehrt sich dieser Prozess allmählich um. Landwirte, die den Nutzen der Bienen erkennen, bieten inzwischen den Imkern eine Bestäubungsprämie an. Aber selbst bei etlichen Imkern scheint sich dieser Zustand noch nicht so recht herumgesprochen zu haben und sie treten weiterhin als Bittsteller auf.

In der Landwirtschaft wird dieser Zusammenhang zwischen vielen Bienen und adäquat guter Befruchtung natürlich auch gesehen. Trotzdem kommt es durch Nachlässigkeit immer wieder zu bienenschädlichen Ereignissen. So hat z.B. einer unserer Imkermitglieder ausgerechnet einen Erdbeerbauern dabei beobachtet, wie er eine in voller Blüte stehende Wiese ohne Schutzmechanismen abgemäht hatte. Darauf angesprochen erkannte er die Folgen und versprach, dass er zukünftig nur noch bei Trachtlosigkeit derartige Arbeiten ausführen würde.

2. Nahrung / Düngung

Bei einer derartigen Bienenproduktion sterben auch entsprechend viele Tiere, deren Körper anderen Kleintieren als Nahrung dienen. Die restlichen Körperteile werden durch Mikroorganismen zersetzt und gelangen so als Dünger in die Pflanzen.

3. Wachsmotten

Die Große und die Kleine Wachsmotte ist bei Anglern und Kleintierhaltern sehr beliebt. Als Fischköder erweisen sie sich als sehr widerstandsfähig und langlebig auch am Angelhaken.

Zu ihrer Gewinnung muss man nur einige sehr dunkle Waben dicht beieinander lagern. Die Wachsmotte wird sie finden und ihre Eier dort ablegen. Nach ca. 1,5 Wochen kann man mit der Ernte beginnen. Einen Teil von ihnen kann man abklopfen, die anderen mit der Pinzette heraus pulen. Auf Sägemehl überdauern sie im Kühlschrank längere Zeit. Als Behälter sollte keiner aus Pappe, Papier, Styropor oder dergleichen gewählt werden. Sonst dürft Ihr sie erneut einsammeln, irgendwo im Kühlschrank verstreut.

 

Honigernte
nächste Seite