Aufbau des Bienennests

Bei wild lebenden Honigbienen werden die Waben aus Bienenwachs zunächst an mehreren Stellen der Decke angebaut. Der weitere Ausbau schreitet dann senkrecht nach unten und zur Seite fort bis die Wand erreicht wird. Auch hier wird der Wabenbau festgeklebt. Dabei verlaufen die Waben keinesfalls immer parallel (für den Imker ein unerträglicher Zustand!). Nach unten wachsen die Waben Jahr für Jahr, bis entweder der Raum ausgefüllt ist oder die Baubienen entstandene Schäden ausbessern müssen. Diese Schäden können z.B. durch Wachsmotten, Menschen, Bären, Dachse etc. entstanden sein. Auf diese Weise erfolgt auch eine natürliche Wabenerneuerung. Die Wachsmotte vernichtet gerade die mehrmals bebrüteten und dadurch dunkel gewordenen Waben, so dass sich die oft als Schädling bezeichnete Wachsmotte eher als Nützling darstellt. Der Imker sieht das natürlich anders.

Bei unten liegendem Flugloch lagern die Bienen den reifen Honig Im obersten Teil ein, der aber zu den Rändern hin immer mehr nach unten reicht und so auf der  Wabe eine sichelartige Form erhält (vergleiche Bild unten). Manchmal wird direkt darunter ein Streifen Pollen eingelagert. Meist findet man ihn jedoch wesentlich tiefer, größere Wabenflächen ausfüllend. Unter dem Honig- bzw. Pollenkranz legt die Königin ihre Eier oft kreisförmig ab, meist gleichermaßen beidseitig einer Wabe. Auf den Nachbarwaben finden wir einen ähnlichen Aufbau, wobei die Brutfläche zu den Rändern hin immer kleiner wird, so dass das gesamte Brutnest einer Kugel ähnelt. Anfangs beginnt die Königin meist im Zentrum der zukünftigen Kugel, so dass die Brut nach außen hin immer jünger wird. Da nun aber im Zentrum die ersten Bienen schlüpfen, kehrt sich dieser Prozess um.

Wegen dieser Nestform sind die Außenwaben fast immer reine Honigwaben.

Honigkranz über Drohnenbrutfeld
Drohnenbrutwabe

    Je stärker der Honigkranz oben wächst, desto stärker muss das Brutnest nach unten ausweichen. Dadurch kann es manchmal bei guten Trachtbedingungen zu einem gewaltigen Honigvorrat kommen, während das Brutnest stark eingeschränkt wird. Dieser Zustand könnte die Bienen veranlassen zu schwärmen. Auf jeden Fall stagniert die Brutentwicklung. Der Imker kann hier gegensteuern, indem er entweder mit einem weiteren Honigraum erweitert oder den Honig erntet, so dass er leere Waben zurückgeben kann.

Die Zellen unterhalb des Brutnests sind oft leer und werden dann als Zwischenlager für neu eingetragenen Nektar oder Pollen genutzt. Der Nektar wird weiter bearbeitet und endgültig oberhalb oder seitlich vom Brutnest eingelagert (möglichst entfernt vom Flugloch). Der Pollen bleibt oft unten. Kommt Ende des Bienenjahres keine Tracht mehr in den Stock, ist im unteren Bereich eine Halbkugel mit leeren Zellen. Dieser Raum wird in der kalten Jahreszeit anfangs zur Überwinterung genutzt. Hier können die Bienen eine Wintertraube bilden und sich, eng aneinander sitzend, gut warm halten. Wäre auch hier Honig eingelagert, säßen die Bienen in engen Wabengassen und müssten unweigerlich an Unterkühlung sterben.

Bau neuer Waben 

Um das Nest zu erweitern, können die Bienen nicht unbedingt auf vorhandene Waben zurückgreifen. Also müssen sie neue bauen oder bereits vorhandene vergrößern.

Die Produktion von Wachs ist kein Alleinstellungsmerkmal für Bienen. Zahllose andere Pflanzen und Tiere, ja sogar der Mensch, sind dazu in der Lage. Dass aber Wachs in so großen Mengen produziert wird, dass dieses auch als Baumaterial verwendet wird, kommt m.W. nur bei den Bienen vor. Dieses Bienenwachs wird von den jungen Bienen kurz nach dem Schlupf produziert und zwischen den Bauchschuppen als kleine, flache weiße Plättchen ausgeschieden. Sie werden von einem Bein eines bestimmten Beinpaares quasi aufgespießt und den Mundwerkzeugen (Mandibeln) zugeführt. Angeblich unter Zuführung bieneneigener Stoffe werden sie mit den Mandibeln geschmeidig gemacht und dem Wabenwerk hinzugefügt. Dieses Wachs ist noch von ganz heller Farbe. Das Wachs des Hintergrundbilds dieser Homepage ist also noch relativ jung. 

An der oberen Leiste eines Rähmchens (ohne Mittelwand) beginnen die Bienen gleich an mehreren Stellen zungenförmige Waben zu bauen. Dementsprechend sind die Wabenzellen oben schon fertig, unten erst im Entstehen und somit ganz flach, den späteren Boden der gegenüberliegenden Zellen bildend. Auch hier ist bereits der spätere Aufbau der Zellen erkennbar. Dieser wird zunächst nicht unbedingt sechseckig angelegt (Hintergrundbild oben rechts), bekommt dann aber schnell seine zum Teil perfekte sechseckige Form, die von uns Menschen gern so bewundert wird. 

 Bei den Zellarten 

erkennen wir Arbeiterinnenzellen mit einer durchschnittlichen Breite von ca. 5,3 mm und Länge von ca. 11 mm, dann die Drohnenzellen von etwa 6,9 mm und einer Länge von ca. 14 mm, weiterhin Übergangszellen (von mir so genannt, weil ich bis jetzt in der Literatur noch keine Erwähnung darüber gefunden habe) der unterschiedlichsten Größen und Formen, die Ungenauigkeiten zwischen nebeneinander hängender Wabenzungen ausgleichen und letztlich die aus dem Wabenwerk herausragende Weiselzelle, deren Größe erheblich schwankt. Ihre Länge kann 25 mm erreichen.

Bei den Größenangaben der Zellen werden in der Literatur meist feste Werte vorgegeben. Ich habe dies überprüft, indem ich die Zellengröße einer Naturwabe nachgemessen habe. Die ausschlaggebende Größe ist meines Erachtens die Strecke zwischen zwei gegenüberliegenden Wandungen (und nicht der Durchmesser). Sie lagen bei 5,1 bis 5,6 mm. Die Wandungen der Zellen wiesen eine Stärke von 0,15 mm auf. Das Mittelmaß betrug bei 10 nebeneinander liegenden Zellen etwa 5,3 mm. 

Ohne die Vorgabe von Mittelwänden entstehen auf einer Wabe in aller Regel mehrere Zellarten. Lediglich bei Schwärmen werden wir anfangs nur selten Drohnenzellen finden.

Die bislang genannten Maße beziehen sich aber nur auf einige Rassen der Europäischen Honigbiene. Einer unserer Imker befasst sich mit der Zucht der apis mellifera carpatica. Sie ist kleiner und baut dementsprechend kleinere Zellen. Es wird behauptet, dass diese kleineren Bienenrassen angeblich besser mit der Varroa zurecht kommen.

"Wabenfläche – Honigmenge" "Arbeiterinnen-Zellen haben ein Volumen von 0,3 ml und fassen je 0,4 g Honig der Dichte 1,4 g/ml auf 1 dm² einer Wabe befinden sich je Seite 415 bis 425 Arbeiterinnenzellen (oder 255 Drohnenzellen) Demnach enthalten 3 dm² — beidseitig mit Honig gefüllt — 1 kg Honig" (Zitat Wikipedia, 10.12.2012).

Neben diesen normalen Waben gibt es im Honigraum auch sogenannte Dickwaben. Wenn der Imker fertig ausgebaute Waben weiter auseinander rückt, bauen die Bienen die Zellen weiter aus und befüllen auch diese mit Honig. Der Vorteil liegt darin, dass der Imker bei der Honigernte weniger Waben zu bearbeiten hat.

 

Formgebung der Zelle
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