Die Varroose

wird durch die Varroamilbe ausgelöst, wobei Varroa Destruktor als besonders aggressive Art angesehen wird.

Die Varroose ist im eigentlichen Sinn keine Krankheit, so wie beim Menschen auch ein Zeckenbiss nicht dazu gerechnet werden kann. Aber durch diesen Biss können infektiöse Keime eingeschleust werden, die dann zum Teil lebensbedrohende Krankheiten der unterschiedlichsten Art auslösen können, bzw. die Bienen derart schwächen, dass sie nicht mehr überlebensfähig sind.

Die Varroamilbe erreicht eine Länge von etwa 1,5 und eine Breite von etwa 1,8 Millimetern (auf den Menschen bezogen würde sich eine Zecke, groß wie ein Kaninchen, an unserem Blut laben). Sie ernährt sich von der Körperflüssigkeit der Biene.  Das adulte Weibchen lässt sich von einer Ammenbiene zu einer Larve, die kurz vor der Verdeckelung steht, tragen und legt 3 bis 5 Eier, eins davon wird ein Männchen, alle anderen werden Weibchen. Das Männchen schlüpft als erstes. Die jungen Varroalarven stechen die Bienenlarve an und ernähren sich von ihrer Lymphe. Kurz bevor die Biene stark geschädigt schlüpfen kann, sind Varroenmännchen und ein bis 4 seiner Schwestern fertige Milben. Noch in der verdeckelten Zelle befruchtet das Milbenmännchen alle seine Schwestern und stirbt. Da Drohnen die längste Entwicklungszeit haben, können sich auf ihren Larven entsprechend mehr Varroen entwickeln. Anfangs kann die stürmische Entwicklung des Bienenvolks den Parasitenbefall überdecken und auffangen. Aber bereits zum Sommerbeginn lässt die Bruttätigkeit der Bienen nach, die der Varroen dagegen nicht. Dadurch wird die Befallsdichte der Bienenbrut immer höher und die Schädigungen der Bienen immer ausgeprägter, bis nur noch wenige gesunde Bienen zu finden sind. Ein derart geschädigtes Volk kann nicht überleben.

Verhältnis Anzahl Varroen- Bienenlarven

Bei dieser Darstellung wird deutlich, dass im Frühjahr die Anzahl der Larven weit höher ist als die Anzahl der Milben. Aber während im Juli die Brutfreudigkeit der Bienen abnimmt, steigt die Menge der Varroen weiter an, bis schließlich fast jede Bienenlarve von Milben befallen ist.

Dieses kleine Volk wird wahrscheinlich den nächsten Winter nicht mehr erleben und schon gar nicht überleben.

Um die Entwicklung der Varroen deutlich nach unten korrigieren zu können, bietet es sich an, während der Schwarmkontrollen gleichzeitig einen größeren Teil der verdeckelten Drohnenbrut den Völkern zu entnehmen. Wegen ihrer deutlich längeren Brutphase und des häufigeren Kontakts ihrer Ammenbienen sind sie meist auch stärker befallen. Das "Drohnen schneiden" reicht jedoch als alleinige Maßnahme nicht aus!

Ursprünglich gab es die Varroen nur im südasiatischen Raum, von wo ein experimentierfreudiger Wissenschaftler sie nach Europa geholt hat. Nachdem ihm ein Schwarm entkommen war, breitete sich die Milbe kontinuierlich weiter aus, bis sie jetzt fast weltweit die Imker zur Verzweiflung treibt.

In den Herkunftsländern der Milbe haben es die Bienen geschafft, auch mit den Varroen zu überleben. Diese Eigenschaften möchten etliche Züchter auch ihren

Völkern aneignen. Hört man einige von ihnen, dürfte ein Varroenproblem schon gar nicht mehr existieren. Ob hier wohl der Wunsch besteht, ihre Völker zu stark überhöhten Preisen zu verkaufen? Seriöse Züchter z.B. auf Toleranzbelegstellen berichten von gewissen Erfolgen, aber ein entscheidender Durchbruch ist auch ihnen noch nicht beschieden.

In der Natur würde dies radikaler verlaufen, entweder würden nur wenige Völker in abgeschirmten Regionen vorerst überleben, alle anderen aber sterben und mit ihnen die Varroen, oder von einigen Millionen Bienenvölkern finden sich tatsächlich einige wenige, die auf Grund spezieller Verhaltensweisen oder Umstände überleben können. Diese hätten dann die Chance, mit ihren angepassten Erbanlagen sich erst allmählich und dann immer rasanter wieder auszubreiten.

Forschungsbereiche und Möglichkeiten zur Varroenbekämpfung

Um diesen Parasiten in den Griff zu bekommen, werden viele Ansätze verfolgt.

a)

Als wirkungsvoll gilt der Einsatz von Medikamenten, was aber mögliche Rückstände in den Bienenprodukten nach sich ziehen könnte. Deshalb werden diese nicht von allen Imkern eingesetzt.

b)

Die Behandlung mit organischen Säuren, die auch in unseren Lebensmitteln vorkommen, bieten ebenfalls gute Ergebnisse. Der Einsatz dieser Mittel bedeutet aber auch, dass es der Imker bis in alle Ewigkeit mit einer nicht zu unterschätzenden Arbeitsbelastung zu tun hat.

c)

Mit dem Einsatz von Pheromonen ist dies eventuell deutlich besser. Hier scheinen sich vielversprechende Erfolge anzubahnen. Diese Stoffe sollen die männlichen Varroen derart verwirren, dass sie alles für befruchtungsfähige Weibchen halten und sie ihre Kraft an falscher Stelle verschwenden, so dass nur wenige Milbeneier befruchtet werden und somit nur entsprechend wenige Nachkommen produziert werden.

d)

Beim Bannwabenverfahren wird die Königin zu einer leeren Wabe gesperrt, zu der nur die Arbeiterinnen freien Zugang haben. Ist sie nach einer Woche gut bebrütet, wird sie an anderer Stelle ins Volk gehängt und die Königin erhält eine neue Leerwabe. Dies wird 3 bis 4 mal wiederholt und die Königin wird freigelassen. Sobald die Bannwaben verdeckelt sind, werden sie eingeschmolzen, womit man den größten Teil der Varroen vernichtet, leider auch einen Teil der Bienenlarven. 

Während bei diesem Verfahren die Brutentnahme etwa Ende Mai erfolgt und man somit auf einen Großteil der Honigernte verzichtet,

e)

könnte man ähnlich gut einen Monat später Ende Juni verfahren. Dabei werden alle verdeckelten Brutwaben entnommen und einem oder mehreren Brutablegern zugehängt. Diese werden so rasch wie möglich auf einen Außenstand gebracht und gegen die Varroen behandelt. Eine Woche später könnte die Brutentnahme wiederholt werden und die Brut wird einem Sammelbrutableger zugeordnet.

Das gleiche Verfahren könnte man auch als Methode zur Schwarmverhinderung einsetzen. Derart geschröpfte Völker haben mit etwas Glück den Schwarmtrieb verloren und der Imker hat etliche Ableger gewonnen.

Bei dieser Methode bleiben jedoch noch einige Varroen zurück, so dass ggf. doch noch einmal mit den Säuren behandelt werden muss.

f)

Die Varroentoleranzzucht wird an vielen Stellen, eigentlich von den meisten Imkern, betrieben - gewollt oder versehentlich, mehr oder weniger erfolgreich -. Dabei erfolgt eine Selektion der Völker, die am besten mit den Varroen klargekommen sind und deshalb überlebt haben. Radikal gehen dabei einige Forscher vor und kommen damit der Auslese durch die Natur sehr nahe: Sie wählen etliche Völker aus, die gut überlebt haben. Dann jedoch verstellen sie diese zum Beispiel auf eine Insel und überlassen sie weitgehend ihrem Schicksal. Die berechtigte Hoffnung geht dahin, dass nach einigen Jahren nur die Völker überlebt haben, die auch trotz der Milben überleben können und diese Eigenschaften in ihren Genen verankert haben.

Die mir bekannten Eigenschaften sind z.B.

1. Putzverhalten 

    Die Bienen erkennen Varroen an sich, ihren Artgenossen und der Brut und entfernen diese.

2. Ausräumen

    befallener Larven. Die Bienen erkennen befallene Larven und beseitigen diese mitsamt den Milben.

3. Töten der Milben

    Die Bienen erkennen die Milben. Diese werden mit den Mandibeln zerquetscht.

4. Verkürzung der Brutzeit

    Je länger die Entwicklungszeit der Bienenbrut dauert, desto mehr Varroen können entstehen. Durch Verkleinerung der Wabenzellen bzw. durch Einsatz kleinerer Bienenrassen könnte die Brutzeit leicht verkürzt werden. Der Erfolg mit dieser Maßnahme ist sehr umstritten.

5. Unverträgliche Stoffe in der Biene

    Die Bienen sollen in der Lage sein, selber chemische Substanzen in ihren Körpern bereits im Larvenstadium zu produzieren. Dadurch soll erreicht werden, dass die Milben vergiftet, geschwächt oder unfruchtbar gemacht werden. Dass dies durch Zucht möglich ist, könnte ich mir vorstellen. Ich glaube aber eher, dass hier Erfolge durch Gentechnik erreicht werden sollen.

 6. Feinde der Varroen

     Jedes Lebewesen auf dem Planeten Erde hat ein oder mehrere Feinde, die ihm nach dem Leben trachten. Dabei sind nicht nur größere Räuber gemeint. Auch kleine Tiere wie Insekten, Spinnen, Würmer, aber auch Bakterien, Viren und Pilze gehören dazu. Derzeit soll es mit Fadenwürmern (Nematoden) und dem Bücherskorpion vielversprechende Ansätze geben. Es müssen also Bienen selektiert werden, denen die Varroenkiller nichts anhaben können.

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