Das Schwärmen

kleiner Schwarm am Ast
Schwarmtraube in einer Birke

Nein, nicht unsere Schwärmerei ist gemeint. In diesem Fall stünde sowieso nur die Biene im Mittelpunkt. Außerdem ist das Schwärmen der Bienen wesentlich beeindruckender. Wie eine Wolke dicht über den Köpfen der Menschen zieht der Schwarm mit einem deutlich zu hörenden Summen langsam dahin, um sich demnächst irgendwo in einer Schwarmtraube nieder zu lassen.

Beim Schwärmen handelt es sich um die eigentliche Form der Vermehrung der Bienen. Nicht die Eiablage der Königin und die anschließende Entwicklung der Biene dient der Vermehrung. Sie lässt lediglich ein Bienenvolk erstarken, bis es so groß ist, -so wird vermutet-, dass der Stock überfüllt ist und die Pheromonproduktion der Königin nicht mehr ausreicht, einen Zusamenhalt der Individuen untereinander zu bewirken. Etwa die Hälfte aller Bienen verlässt zusammen mit der Königin den Stock, um sich eine neue Wohnung zu suchen. Die kurz darauf gebildete Schwarmtraube ist nur eine kurze Zwischenstation.  

Schwarmtraube

Bienenschwarm bei kälterer Witterung
Eine wohlgeformte Schwarmtraube

  Hier versammeln sich die Bienen und schicken etliche Kundschafter auf Suche nach einer neuen geeigneten Behausung. Hat eine Biene eine Unterkunft gefunden, verkündet sie es den anderen Kundschafterinnen mit einem Schwänzeltanz auf der Traube. Je heftiger sie diesen ausführt, desto besser sollte der Hohlraum als neues Heim geignet sein.

Andere Kundschafter fliegen aus, diesen Ort zu besichtigen. Sind auch sie der Ansicht, dass er besser als andere durch sie bereits besichtigte Unterkünfte ist, werden auch sie ihn bewerben. Diese Überzeugungsarbeit wird so lange durchgeführt, bis so gut wie alle Kundschafterinnen nur noch einen Ort anpreisen. Die wenigen übrig gebliebenen beratungsresistenten Bienen (so etwas gibt es ja auch beim Menschen) werden schließlich ignoriert und der Schwarm fliegt auf, seine neue Heimat zu besiedeln. Dabei leiten die Kundschafterinnen ihre Schwestern und wenigen Brüder zur neuen Behausung. Es wird berichtet, dass das neue Heim mit Duftstoffen markiert ist, so dass die Bienen in der Nähe des Ziels schnell den Eingang finden. Von der Schwarmtraube aus sollen die Kundschafter von hinten und oben in der Schwarmwolke  relativ schnell Richtung Ziel fliegen. Haben sie die Spitze des Schwarms erreicht, lassen sie sich langsam wieder zurückfallen. Danach beginnt der Vorgang von Neuem. Anfangs entfernt sich der Schwarm recht langsam. Durch die Führung der Kundschafterinnen können sich immer mehr Bienen an die Richtung halten, so dass der Schwarm immer schneller werden kann. Ein Imker hat also anfangs keine Mühe, ihm zu folgen. Aber bald muss er sich immer schneller vorwärts bewegen, bis ihm die Zunge so weit heraushängt, dass er darüber stolpert.

Ist also dieser Schwarm verloren? In aller Regel ja. Hat der Imker Glück und der Schwarm hat eine neue Behausung in der Nähe gefunden, so kann er ihm dorthin folgen und ggf. bergen.

Er kann sich auch die Richtung merken und dieser kontinuierlich folgen, eventuell 5 Km oder mehr. Mit sehr viel Glück könnte er den nun zum Volk mutierten Schwarm entdecken.

Oft ziehen die Bienen in ein Haus oder in einen Hohlraum in seiner Nähe ein. Diese werden meist gemeldet - einem Schädlingsbekämpfer, der Polizei, der Unteren Naturschutzbehörde oder letztendlich einem Imker. Dort könnte er mit Glück den Schwarm bergen und die eventuell bereits angelegten Brutwaben in ein Rähmchen einpassen.

Mehlprobe

Geht die Königin aus irgendeinem Grund verloren, kehrt der ganze Schwarm zurück in den Heimatstock, ebenso alle Bienen, die den Anschluss verpasst haben. Dieses Verhalten kann man manchmal dazu nutzen, wenn man herausfinden will, aus welchem Stock dieser Schwarm entflohen ist. Man nimmt sich einige Bienen, stäubt sie im Glas mit etwas Mehl ein (Mehlprobe) und entlässt sie später in der Nähe des in Frage kommenden Bienenstands. Wenn weißbepuderte Bienen in einen bestimmten Stock einkehren, hat man das abgeschwärmte Volk gefunden.

Umgang mit einem Bienenschwarm

Stammt der Schwarm von eigenen Völkern, kennt der Imker die Eigenschaften dieser Tiere, da sie ja mit der alten Königin ausgezogen sind. Bei einem Schwarm von einem unbekannten Volk weiß man zunächst nicht, ob er ggf. gefährliche Krankheiten mit sich führt, wie alt die Königin ist (es sei denn, sie ist farblich markiert) und ob sie Töchter mit etlichen negativen Eigenschaften hat. Um sich nicht eine der gefährlichsten Krankheiten, die Faulbrut, auf dem eigenen Bienenstand einzuhandeln, sollten Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Der Schwarm kommt in "Kellerhaft". In einem kühlen, dunklen Raum wird er so lange aufbewahrt, bis die ersten Bienen dicht vorm Verhungern sind (etwa drei Tage). So ist sichergestellt, dass alle Sporen, die eine Krankheit auslösen könnten, den Darm verlassen haben.

Weiß man, dass der Schwarm aus einem seuchenfreien Gebiet stammt, reicht eine Kellerhaft von einem bis zwei Tagen aus. Das Schwarmverhalten hat sich verringert. Die Kundschafter konnten ja auch schließlich nicht mehr ausfliegen und suchen. Würden sie später weiterhin für die von ihnen ausgemachte andere Wohnung werben, würden sie dort keine geeignete Unterkunft mehr finden. Sie wurden ja als Schwarm an einen anderen Standort versetzt. S. oben und vergl. mit Sprache der Bienen

Jetzt kann der Schwarm in eine mit Mittelwänden und Leerrähmchen ausgestattete Beute eingeschlagen werden. Sie befindet sich am endgültigen Standort (vergleiche mit Schwenkarm-Beutenbock). Es wird sofort mit etwas eigenem flüssigen Honig - ggf mit etwas warmen Wasser verdünnen - und kurz danach mit Zuckerwasser aufgefüttert (manche Wissenschaftler sagen jedoch, dass der Honig, der einmal einem Volk entnommen wurde, nicht wieder zurück gegeben werden sollte).

Mit großem Eifer wird dieses Volk die Mittelwände und die Rähmchen ausbauen, Pollen und Nektar sammeln und ein ansehnliches Brutfeld anlegen. Die ersten drei Wochen wird das Volk schrumpfen. Dann schlüpft die erste Brut und wächst zu einem überwinterungsfähigen Volk an. Im nächsten Jahr wird es als Wirtschaftsvolk des Imkers Herz erfreuen.

Ist die Königin mit zu vielen negativen Eigenschaften ausgestattet, wird sie durch eine aus eigener Zucht oder einer gekauften ausgewechselt.

Sind die Trachtbedingungen gut, wird sich dieses Volk selbst versorgen und ausreichend Honig- und Pollenvorräte zulegen. In seltenen Fällen hat es so viel Honig gespeichert, dass der Imker schon etwas entnehmen kann, was aber eigentlich nur Anfänger machen werden. Bei unzureichender Tracht muss ausreichend zugefüttert werden. Um den Bienen eine gute Nektarquelle vorzugaukeln, sollte ihnen mehrmals während der Trachtlücken kleinere Einheiten (1/2 kg Zucker, 1/2 kg Wasser) dargeboten werden. Das fördert die Baulust und Brutaufzucht. Im September / Oktober sollten sie über mindestens 15 kg Honig verfügen können.

Hat sich ein Neuling getraut, einen derartigen Schwarm einzufangen und er wird ihn behalten, sollte er auf jeden Fall dem Kreisveterinäramt diesen neuen Standort mitteilen. Einem Imkerverein muss er nicht gleich beitreten. Trotzdem würde ich unbedingt dazu raten. Über eine relativ geringe Gebühr werden alle Geschehnisse mit seinen Bienen abgesichert sein. Außerdem findet hier regelmäßig ein interessanter Erfahrungsaustausch statt und man wird über neue Erkenntnisse informiert. Viele weitere Vorteile bleiben hier vorerst unerwähnt, über die wenigen unbedeutenden Nachteile hülle ich mich in Schweigen.

Überwinterung
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