Unterschiedliche Standmaße

Neuimkern passiert es immer wieder, dass sie beim Wunsch, ihre Völkerzahlen zu erhöhen, Völker mit verschiedenen Standmaßen zu versorgen haben. Natürlich kann man auch damit imkern, aber eben unter erschwerten Bedingungen. Viel einfacher geht dies mit einem einheitlichen Standmaß. Sofern man eine der gängigsten Maße gewählt hat, ist man schon auf der sicheren Seite. Jedes Maß hat seine Vor- und Nachteile. Ich z.B. bin nur dadurch zu DN gekommen, weil meine erste Bauanleitung für Bienenwohnungen zufälligerweise eben Magazinbeuten mit dem Standmaß DN zur Grundlage hatte. Ich imkere seit Jahren gern mit dieser Normgröße. Dies wird wohl jeder Imker von seinem Standmaß auch behaupten, und weil die Bienen sich an fast jede Behausung optimal anpassen können, wird man wohl nur selten ausreichende Argumente dagegen finden können. 

Anpassung ans Standmaß

Will jetzt der Imker ein Maß anpassen, könnte es zu Problemen kommen. Er könnte natürlich die Waben passend zuschneiden und in seine Rähmchen einklemmen und fixieren. Da hierbei meist durch Brutfelder und Honigkränze geschnitten werden muss, wird diese Arbeit mit einem ziemlich unangenehmen Gematsche einhergehen. Erledigt man diese Arbeit auch noch draußen, wird der Bastler bald umringt sein von niedlichen kleinen weiblichen Wesen, die auch noch recht aufdringlich sind und die er kaum loswerden kann.

Glück hat dann noch der Imker, der ein kleineres Rähmchen einfach an den Oberträger eines größeren schrauben kann.

 

1. Möglichkeit

Unerwünschtes Standmaß durch Umstellen entfernen
Wechsel des Standmaßes

Wesentlich besser kommt man mit der nachfolgend beschriebenen Methode klar, zumal man nach 3,5 Wochen Beuten und Rähmchen wieder an den Verkäufer zurückgeben kann, so dass man in aller Regel auch einen niedrigeren Preis für die Bienenvölker zahlen muss: Die aufzulösende Beute (A) mit dem unerwünschten Standmaß steht am zukünftigen Standort, die zukünftige Beute (B) mit Folie, gefüllt mit mindestens einer Brutwabe, mit Waben - zum Teil mit Honig - und ev. mit einigen Mittelwänden, daneben (Bild 1). Deckel und Abdeckfolie von (A) entfernen. Alle Bienen werden Wabe für Wabe in Zarge (B) gekehrt. Auch restlos alle Bienen in Zarge und Boden von (A) in Beute (B) schütten und kehren (Bild 2), damit auch die Königin erfasst ist. Die Beute mit dem falschen Standmaß bleibt am Standort. Sie (A) wird mit einer Platte mit Öffnung abgedeckt. Diese wiederum wird mit einem Absperrgitter abgesperrt. Darauf wird Zarge (B) mitsamt den Bienen gestellt und mit Folie und Deckel verschlossen (Bild 3). Falls Drohnen im Volk sind, sollte man den Deckel mit einer Drohnenflucht versehen (die Folie muss dann natürlich Durchlass gewähren) oder alle 2-3 Tage den Deckel öffnen.

Die meisten Bienen sind nun in der oberen Zarge mit den gewünschten Rähmchenmaßen, auch die Königin. Dies muss aber nach einigen Tagen überprüft werden! Etliche Arbeiterinnen quetschen sich durchs Absperrgitter zum Trachtflug und vor allem zur Brutpflege nach unten. Dort schlüpfen die letzten Bienen nach spätestens 3,5 Wochen. Danach kann alles zur Seite gestellt werden. Ein Boden für Beute (B) wird jetzt an der ursprünglichen (gewünschten) Stelle positioniert und mit Zarge, Rähmchen, Bienen und Deckel vervollständigt (Bild 4). Da die heimkehrenden Bienen den gewohnten Standort ansteuern, finden sie auch rasch den Eingang im neuen Boden zu ihrem Volk.

 

Die Beute (A) kann nun dem Verkäufer zurückgegeben werden oder man lässt vorher den Honig in den Waben von den Bienen auslecken, was aber problematisch insofern ist, dass es sich hierbei eventuell um Winterfutter mit einer Anreicherung von Varroabehandlungsmitteln handelt.

Man könnte die Anordnung der Zargen auch andersherum vornehmen, aber das würde nicht der Anlage eines Bienennests entsprechen. Die Bienen wollen oben, entgegengesetzt vom Flugloch, Ihren reifen Honig einlagern und darunter die Brutfelder anlegen. Das könnte bedeuten, dass in den Waben im ungewünschten Standmaß der Honig eingelagert würde, was ja eigentlich vermieden werden soll. Oder man erntet ihn nach einer gewissen Zeit. Aber auch aus dunklen Waben (Absperrgitter)???

 

Wenn man keine Brutwabe z.B. aus einem anderen Volk hat, verzichtet man so lange auf das Absperrgitter, bis die Königin mindestens eine Wabe mit dem gewünschten Maß bestiftet hat. Sitzt die Königin nun auch noch auf einer dieser Waben, muss man nun nur noch das Absperrgitter zwischen die beiden Bruträume legen. Bei sehr guter Tracht kann es allerdings passieren, dass die oberen Waben mit Honig aufgefüllt werden und die Brut auf den unteren Bereich beschränkt bleibt. Dann muss man sich überlegen, ob man nicht doch eine Brutwabe ans neue Standmaß anpasst und in die obere Zarge gibt oder eine gefüllte Wabe herausnimmt und durch eine neue leere ersetzt. Die herausgenommene Wabe wird einem anderen Volk gegeben. Diese Vorgehensweise nimmt eine deutlich längere Zeit in Anspruch. 

2. Möglichkeit

Vorgehensweise wie zuvor bis sicher gestellt ist, dass die Königin oberhalb des Absperrgitters ist.

Dann wird die Zarge mit dem unerwünschten Rähmchenmaß zur Seite gestellt (mindestens 1 Meter) und mit Boden, Deckel und Folie ergänzt.

Dieser weisellose Ableger zieht eine neue Königin nach, die dann nach ca. 4 Wochen für ein neues Brutnest sorgt.

Dieser Ableger dürfte aber relativ viele Varroen mit ausgebrütet haben, weshalb die Drohnen nach 2 Wochen ausgeschnitten werden sollten und nach drei Wochen, wenn alle Brut geschlüpft ist, z.B. mit Ameisensäure behandelt werden könnte.

Die andere Volkshälfte dagegen hat nur noch relativ wenige Varroen, weshalb ggf. auf die erste Behandlung verzichtet werden kann (Varroen zählen!).

Dem Volk auf dem erwünschten Rähmchenmaß fliegen nun alle Trachtbienen zu, weshalb sofort ein Honigraum aufgesetzt  werden sollte. Falls im Brutraum zu viele mit Nektar gefüllte Waben sind, kommen diese in den Honigraum, leere Waben dagegen in den Brutraum. Nach drei Wochen schlüpfen nun die ersten Bienen und lassen das Volk wieder erstarken.

Ausrüstung
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